Rhet. Mittel

Die Rhetorik wie Sie heute (2010) in Schulen und Universitäten geschult wird, ist ein sich selbstrechtfertigende Wissenschaft, von der ich nicht viel halte. Dort werdenHundertevon römischen und griechischen rhetorischen Figuren vorgestellt, deren Wissen Studenten aber noch lange nicht zu guten Rhetoriker macht. Ich bin sogar überzeugt, dass wenn man so akademisch an dieRhetorik herangeht, sogar verhindert wird, dass man gute Reden hält.

Ich hatte eine Studentin in einem meiner Seminare, die im letzten Semester Rhetorik an der Universität Tübingen studiert hatte. (Der einzige Lehrstuhl in Deutschland) Sie sagte mir: “Kein Einziger der Professoren ist rhetorisch gut, geschweige denn die Studenten. Im Studiengang Rhetorik an der Uni lernt man alles, außer gute Reden halten”.

Nur zwei Rhetorische Figuren haben’s in sich

Rhetorik im modernen Kleid hat andere Maßstäbe. Das ist den akademischen Rhetorikern noch nicht aufgegangen. Die einzigen zwei rhetorischen Mittel, die ich für brauchbar halte, sind die Metapher und die Anapher (Anaphora).

Die Anapher wird von berühmten Rednern immer wieder benutzt, und man kann sie auch heute systematisch einsetzen. John F. Kennedy hat sie in seiner Rede vor der Berliner Mauer 1963 benutzt: “… Sie sollen nach Berlin kommen!”, war der identische Satz, den er viermal innerhalb seiner Rede wiederholte. Martin Luther King hat sie ebenfalls benutzt während seiner Rede vor 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial. Den Satzteil “I have a dream” hat er sieben mal hintereinander proklamiert. Und auch Barack Obama bedient sich seiner, indem er während seiner Rede acht Mal sagt: “Yes we can!”.

Eine Anapher oder Anaphora ist die immer selbe Satzteil oder Satzfragment, das in einer Rede eingebaut wird. Das funktioniert, das können Sie benutzen!

Die Metapher ist das zweite rhetorische Stilmittel, das ich systematisch einsetze. Ich bin sogar ein heißer Fan davon. Vom Begriff Metapher habe ich mich allerdings getrennt, er klingt zu verkopft und zu abstrakt. Bei mir heißt das “bildhafter Vergleich”. Was die akademischen Zirkel unter Metapher lehren, ist aber etwas anderes, als ich dem Begriff abgewonnen habe. Unter einer “akademischen” Metapher wir meist nur ein “Einwort-Vergleich” verstanden.

 

Beispiele der “akademischen” Metaphern:

“der Deckmantel der Verschwiegenheit”

“Der Schuhlöffel” (Weil ein Löffel ja nicht für Schuhe gemacht ist)

“Kaderschmiede

“Baumkrone